Erste Einblicke in das Symptomenlexikon 

von Michael Kohl

Bei dem Symptomenlexikon (SL) handelt es sich um ein Werkzeug, mit dem man in einer bisher nicht gekannten Sicherheit sämtliche möglichen charakteristischen Arzneiwirkungen unserer Materia medica eigenständig und einfach erforschen kann. Dazu werden die Prüfungssymptome in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt. Diese werden „Zeichen“ genannt.

Ein Beispiel. Wäre das vollständige Symptom eines Patienten „Magenstechen, das sich beim Gehen verschlimmert“, besteht dieses Symptom somit aus den folgenden Zeichen:

Ort: Magen

Beschwerde: stechende Schmerzen

Modalität: Gehen verschlimmert

Diese Zeichen lassen sich mit dem digitalen Symptomenlexikon nun per Mausklick in jeder beliebigen Kombination verknüpfen. Auf diese Weise lassen sich so genannte Zeichenkombinationen (ZKs) erstellen.

Vom Nutzen der Zeichenkombinationen (ZKs)

Um nach dem Similegesetz zuverlässig heilen zu können, müssen wir uns bereits vor der Verschreibung eines Mittels sicher sein, wie seine exakte Arzneiwirkung aussieht. Das ist ganz leicht möglich. Wie lässt sich diese nun ermitteln?

Dazu folgende Überlegungen: Wenn die Wirkung einer Arznei charakteristisch ist – also tatsächlich unverwechselbar in dieser Arznei verankert – müsste sie eigentlich in jedem Prüfer die gleiche Wirkung erzeugen. Und so ist es auch, aber anders als früher gedacht: Die charakteristische Wirkung einer Arznei erzeugt niemals vollständige Symptome! Ein vollständiges Symptom besteht immer aus mindestens drei Zeichen – z.B. wie in der oben beschriebenen Magenbeschwerde.

Würden von einem Mittel nun komplette Symptome erzeugt, hätten alle Prüfer folglich unter den gleichen Symptomen gelitten. Die Protokolle der Arzneimittelprüfungen wären also voller gleich lautender Symptome. So ist es jedoch nicht. Satzwiederholungen in diesem Sinne lassen sich so nicht finden. Das lässt sich leicht durch einen Blick in die Materia medica überprüfen.

Worin besteht nun aber die charakteristische und unverwechselbare Arzneiwirkung? " In den Zeichenkombinationen!

Für das Beispielsymptom aus den drei Zeichen:
Stechen (= Beschwerde), beim Gehen schlimmer (= Modalität), im Magen (= Ort)
ergeben sich immer drei ZKs

1. Stechen im Magen (ZK: Beschwerde + Ort)

2. Stechen beim Gehen (ZK: Beschwerde + Modalität)

3. Magenbeschwerden beim Gehen (ZK: Ort + Modalität)

Wenn man die Arzneiprüfungen auf diese Weise durchliest und danach sucht, ob irgendwelche ZKs gehäuft auftreten (Häufung deshalb, weil sich die Arzneikraft den verschiedensten Prüfern in der immer gleichen Weise aufdrängt), dann zeigt sich Erstaunliches: Jedes Mittel ist offensichtlich in der Lage, mehreren Prüfern ein immer gleich lautendes Muster aufzuzwingen, nämlich gleich lautende ZKs. Jedes Mittel für sich produziert jeweils ganz andere Häufungen an ZKs als ein anderes Mittel. Genau diese Kraft, in den unterschiedlichsten Prüfern immer wieder die gleichen ZKs zu erzeugen, ist die charakteristische Arzneiwirkung, wie es Hahnemann im Organon im § 153 ausführt.

Deutliche Erhöhung der Verschreibungssicherheit

Das SL ist das einzige homöopathische Werkzeug, mit dem jegliche Arzneiwirkung per Mausklick sofort in seiner Häufigkeit des Auftretens zu ermitteln ist. So lässt sich die charakteristische Arzneiwirkung einfach und schnell bestimmen und für die Heilung der Patienten anwenden. Die große Stärke des SLs zeigt sich somit in einer deutlich erhöhten Verschreibungssicherheit, die man täglich in der eigenen Praxis erleben kann.

Denn: Je sicherer man die genaue Arzneiwirkung kennt, umso sicherer wird der Heilerfolg. Erst diese neuartige Kombinierbarkeit sämtlicher Zeichen der Materia medica ermöglicht eine genaue und sichere Verordnung des Simile. Dabei zeigt sich, dass unsere bisher verwendeten homöopathischen Arzneien ein deutlich größeres Wirkspektrum besitzen, als dies bisher bekannt war. Dementsprechend erhöhen sich auch deren Anwendungsmöglichkeiten! Voraussetzung für eine sichere Arzneiwahl – und damit eine erfolgreiche Praxis – ist jedoch die korrekte Anwendung des Symptomenlexikons nach klaren, deutlich einsehbaren Regeln.

 

Dieser inzwischen überarbeitete Artikel ist Teil eines Aufsatzes von Michael Kohl, der erstmals in der Fachzeitschrift „Homöopathie KONKRET 2.13“ veröffentlicht wurde.

 

 

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